Projekte

Strafjustiz und Covid-19 Pandemie

Angeregt durch seine Funktion im UN-Unterausschuss zur Verhütung von Folter hat Daniel Fink Überlegungen zum Einfluss der Pandemie Covid-19 auf die Lebensbedingungen in den Gefängnissen angestellt. Anhand einer Umfrage bei verschiedenen Akteuren des Freiheitsentzugs hat er eine Evaluation in Form eines Textes festgehalten, der als Teil des Kapitels über die Gesundheit in seinem Buch Privazione della libertà e prigione in Ticino e in Svizzera (USTAT, 2020) in italienischer Sprache veröffentlicht werden wird. 

Daniel Fink nimmt auch an der SNF-Studie zum Management der Massnahmen zur Verhütung der Covid-19 Pandemie in den Einrichtungen des Freiheitsentzugs teil, die von Melanie Wegel (ZHAW) geleitet wird. Er ist zuständig für die Studie in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz.

 

 

Sanktionspraxis in der Schweiz – statistisches Grundmaterial

Ziel dieses Projektes ist die statistische Aufbereitung und graphische Darstellung aller verfügbaren Daten zur Sanktionsaussprache, insb. zu freiheitsentziehenden Sanktionen, zwischen 1800 und heute. Ein besonderes Augenmerk gilt der sozialgeschichtlichen Interpretation der beobachteten Trends.

Das Bundesamt für Statistik machte 2007 dank umfangreichen Archiv- und Digitaisierungsarbeiten, die von Daniel Fink geleitet wurden, alle verfügbaren Publikationen zu den in der Schweiz zwischen 1906 und 1985 ausgesprochenen Strafurteilen im Portal des Bundesamtes für Statistik unter Historische Publikationen Thema Strafjustiz 19.03 zugänglich. Es ist vorgesehen, die Dokumentation der Sanktionspraxis im 19. Jahrhundert fortzusetzen, die vorhandenen Daten zu harmonisieren und als Gesamtdarstellung sowohl als Publikation wie als Datensammlung über die Website von gefo.ch zugänglich zu machen.

Zudem sollen, zu Vergleichs- und Kontrollzwecken, Datensätze zur Sanktionspraxis einzelner Kantone zusammengestellt und publiziert werden, allen voran die Zeitreihen der Kantone GE, VD, NE, BS-BL und ZH.

Eine erste kurze Übersicht zur Thematik erschien in der von D. Fink redigierten und P. Schulthess gestalteten Broschüre Überwachen statt Einsperren, die 2009 vom Bundesamt für Statistik verlegt wurde.

Weitere Ergebnisse dieses Datenprojektes wurden in der im März 2015 erschienenen Gesamtdarstellung Strafrecht, Freiheitsentzug, Gefängnis (Herausgeber D. Fink, P. Schulthess) veröffentlicht.

Die Graphiken der oben erwähnten Broschüre wurden im Mai 2017 aktualisiert und einem Kreis von Interessierten in der Broschüre mit dem Titel Überwachen statt einsperren, Ausgabe 2017, zugestellt. Siehe den Link auf die Broschüre in der Publikationsseite gefo.ch.

Die Zeitschrift plädoyer veröffentlichte einen Beitrag von D. Fink zur Evaluation der Sanktionspraxis seit 2007, analysiert im Vergleich mit der Zeit vor der Revision, unter dem Titel: Ein wissenschaftliches Lob für die bedingte Geldstrafe (plädoyer, no. 5/17, September 2017).
Ein weiterer Beitrag mit Schwerpunkt Welchschweiz erschien unter dem Titel: Le succès de la peine pécuniaire avec sursis (plaidoyer, Nr. 1/18, Februar 2018).
Ein letzter Artikel zur Sanktionspraxis anch altem Sanktionenrecht im Tessin erschien im Juni Heft 2018 unter dem Titel Pena pecuniaria, privazione della libertà e carcere nel cantone Ticino in Dati statistiche e societa'.
Ein erster Beitrag zur Umsetzung des neuen Sanktionenrechts, das am 1. Januar 2018 in Kraft trat, verfasst in Zusammenarbeit mit Silvia Staubli, Universität Fribourg, erschien unter dem Titel: Tiefe Rückfallraten nach Geldstrafen in der Zeitschrift plädoyer (5-2019). 
Eine weitere Bearbeitung der Daten 2019 wurde im Juni 2020 als Kommentar zur Urteilsstatistik des BFS 2019 fertiggestellt und einem grösseren Kreis von Rezipienten zugestellt. 

Im Herbst 2020 erscheint die italienischsprachige Version des Buches von Daniel Fink zum Freiheitsentzug mit dem Titel: Privazione della libertà e prigione in Ticino e in Svizzera. Siehe Publikationen.

 

Freiheitsentzug in der Schweiz – statistisches Grundmaterial

Das umfangreichste Inventar der Strafanstalten und Gefängnisse der Schweiz, 1894/95

Ziel dieses Projektes ist die statistische Aufbereitung und grafische Darstellung aller verfügbaren Daten zu den Einrichtungen des Freiheitsentzug, zu den Haftplätzen und zur Gefangenenpopulation.

Das Bundesamt für Statistik machte 2007 in einer Bearbeitung von Daniel Fink alle zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Publikationen zu den zwischen 1890 und 2007 veröffentlichten Inventaren über die Ein­richtungen des Freiheits­entzugs im Portal des Bundesamtes für Statistik zugänglich. Ebenfalls  2007 wurden  alle zwischen 1890 und 1941 publizierten Gefängnis­statistiken mit Daten zu Ein­weisungen, Entlassungen und Beständen veröffentlicht. Beide Datensammlungen wurden im Laufe des darauffolgenden Jahrzehnts elektronisch archiviert und sind zur Zeit nicht mehr zugänglich. 

Erste Ergebnisse dieses Datenprojektes wurden in der im März 2015 erschienenen Gesamt­darstellung Strafrecht, Freiheit­sentzug, Gefängnis (Herausgeber D. Fink, P. Schulthess) publiziert. 

 

Ehemalige Gefängnisse und was aus ihnen geworden ist

Pénitencier cantonal in Sion. Heute Ausstellungräume der Kantonalen Museen. Fotografie D. Fink

Ziel dieses Projektes ist die Berichterstattung über den baulichen Erhalt und den heutigen Einsatz aller Gebäude in der Schweiz, die in den letzten 200 Jahren als Gefängnisse eingesetzt wurden. Das besondere Augenmerk gilt dem denkmal­schützerischen Erhalt der Gefängnis­gebäude als Ganzes oder der Gefängnis-Innen­einrichtung in Gebäuden, die nur zum Teil als Einrichtung des Freiheits­entzugs gedient haben. Dabei ist auch über die meist multiplen neuen Funktionen dieser Gebäude ‒ sei es als Museum, Galerie und Ausstellungsort, Kultur­raum, Jugend­zentrum, Haus der Vereine, Bibliothek, Hotel, neben vielen anderen ‒ und die Tätigkeiten der Ämter für Denkmalschutz zu berichten. Dieses Projekt stellt gewisser­massen die Kehrseite der Inventarisierung und Berichterstattung über die umfassende und andauernde Modernisierung des schweizerischen Gefängnis­systems dar, in deren Zentrum die Frage nach der Gefängnis­architektur steht.

Gegenwärtig wird gesamtschweizerisch das Inventar der schweizerischen Straf­anstalten und Gefängnisse von Hartmann/Gohl von 1895, in dem rund 200 Einrichtungen des Freiheitsentzugs verzeichnet sind, statistisch nach Gebäudeart, -zustand und -alter sowie Bauart und -substanz ausgewertet und analysiert. Da nahezu die Gesamt­heit dieser Einrichtungen nicht mehr in Funktion ist, wird in einem zweiten Schritt deren heutiger Verwendungs­zweck untersucht.

Die Ergebnisse wurden in einem ersten Beitrag unter dem Titel Le patrimoine carcéral de la Suisse: son émergence et ses formes in der Revue d'histoire pénitentiaire - einsehbar im Website criminocorpus.hypothèses.org - veröffentlicht.

Ein weiterer Beitrag zum Thema erschien unter dem Titel Prison, architecture pénitentiaire et patrimoine carcéral en Suisse in der Zeitschrift k+a Kunst und Architektur (No 3, 2017, September 2017; Verlag GSK).

In Vorbereitung ist eine Gesamtdarstellung der Entwicklung der Gefängnislandschaft im Allgemeinen und der Gefängnisarchitektur im Speziellen. Das neue Buch sollte im Frühjahr 2021 erscheinen, unter dem provisorischen Titel: Gefängnisarchitektur in der Schweiz - ein Aufriss.

Gefängnisfotografie in der Schweiz

Kantonale Strafanstalt Lenzburg, 1863. Eine der ersten Gefängnisfotografien der Schweiz. Unbekannter Fotograf.

Geschlossene Institutionen wie Gefängnisse und Strafanstalten kennen seit jeher ein ambivalentes Verhältnis zur Fotographie. Einerseits verschliessen sie sich aus Sicherheitsgründen, wegen Persönlichkeitsschutz, zur Wahrung der Anonymität des Personals, neben anderen Motiven, der Fotografie. Andererseits haben die Verantwortlichen auch ein (Eigen-)Interesse an einer "schönen", wirkungsvollen Darstellung von Gebäuden und vom Leben in ihren Einrichtungen. Auch die Fotografen stehen in einem ähnlichen Verhältnis zu diesen Institutionen, insofern sie sich den auferlegten Beschränkungen mehr oder weniger freiwillig unterziehen und, je nach persönlichem Standpunkt, eine beschönigende, neutrale oder eher anklägerische Haltung einnehmen.

Ziel dieses Projektes ist es, Bildmaterial zu allen Gebäuden des Freiheitsentzuges in der Schweiz zusammen­zustellen. Dieses fotografische Inventar begleitet die statistischen Inventarisierungsarbeiten zu den Einrichtungen des Freiheitsentzuges.

Eine erste Publikation zum Thema ist in Vorbereitung.

Folterprävention in der Schweiz

Geschlossene Institutionen wie Justizvollzugsanstalten und Gefängnisse basieren letztlich auf einem asymetischen Machtverhältnis zwischen dem Personal und den Insassen, das immer dann zum Ausdruck kommt, wenn Ordnung - im schlimmsten Fall mit Gewalt - durchgesetzt wird. Deshalb sind Aufsicht und Monitoring von Einrichtungen des Freiheitsentzugs notwendig. Einerseits bestehen für Friedenszeiten Organisationen wie der UNO-Unterausschuss für die Verhütung von Folter (SPT), das Europäische Komitee für die Verhütung von Folter (CPT) und die Nationalen Präventionsmechanismen, in der Schweiz die Nationale Kommission für Verhütung von Folter (NKVF).
In Konfliktsituationen und Kriegen wird das Internationale Kommittee vom Roten Kreuz aktiv, das ein Mandat hat, Personen, denen die Freiheit entzogen wurde, zu besuchen und zu schützen. 

Seit der Aufnahme seines Mandates im SPT im Juni 2018 hat Daniel Fink begonnen, die komplexen Verhältnisse zwischen SPT und NPM im Zusammenhang mit dem CPT zu untersuchen. In seinem Buch Privazione di libertà e prigione in Ticino e in Svizzera publiziert er als letztes Kapitel einen ersten Text zur Entwicklung der Folterprävention in der Schweiz.
Diesen hat er weiterbearbeitet zu einem Beitrag im Plädoyer vom Herbst 2020, der in deutscher Sprache erscheint.
Zudem wird er in der Neuen Zeitschrift für Kriminologie und Kriminalpolitik 2020/2 veröffentlicht werden, diesmal in französischer Sprache.
Schliesslich hat er, zusammen mit Jean-Daniel Vigny, die Rolle der Schweiz bei der Aushandlung des Fakultativprotokolles zum Übereinkommen gegen die Folter historisch aufgearbeitet, ein Beitrag, der ebenfalls in der Neuen Zeitschrift für Kriminologie und Kriminalpolitik 2020/2 erscheinen wird. 

Zu Beginn des Jahres 2021 werden zudem die Akten der internationalen Tagung von 2019 in Lissabon erscheinen, die unter dem Titel der Monitoring Regimes of Detention and Regimes of Monitoring steht. Auch in diesem von Daniel Fink herausgegeben Buch werden wichtige Aspekte zur Folterprävention und zu den sie umsetzenden Organisationen aller Instanzen behandelt.